Social BallerZ in Ückendorf

Baskettball als Brücke für alle

Inklusion, Teamplay, sichere Räume. All das bieten die Social BallerZ Kindern und Jugendlichen in Gelsenkirchen-Ückendorf. Seit 2025 bringt der junge Verein Basketball dorthin, wo er gebraucht wird. Ein Gespräch mit Gründer René Habersaat. 

Februar 20, 2026

Social BallerZ-Gründer René Habersaat steht in der Sportbude Ückendorf und hält einen Basketball unter dem Arm.

Hi René! Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen, einen Basketballverein zu gründen? 

Bei mir ist das eine sehr persönliche Geschichte. Ich habe 14 Jahre in der Krankenpflege gearbeitet. Dann kam Corona, dann ein Bandscheibenvorfall und schließlich eine posttraumatische Belastungsstörung. Psychisch war ich down, körperlich ging auch nichts mehr. Basketball war die einzige Sportart, die mich aus beidem rausgeholt hat.  

Ich wollte dann eine Umschulung zum Erzieher machen, aber das wurde mir wegen meiner psychischen Vorgeschichte nicht gewährt. Da dachte ich: Warum nicht selbst etwas gründen? Basketball hat mir so viel gegeben und gleichzeitig gibt es hier im Viertel keinen einzigen sicheren Basketballplatz. Der an der Gesamtschule ist gesundheitsgefährdend, man kann sich da die Knöchel brechen. Es fehlen einfach sichere Räume, wo Kinder niedrigschwellig und kulturübergreifend Sport machen können. 

Was macht die Social BallerZ denn besonders? 

Bei uns steht Inklusion und Barrierefreiheit an erster Stelle – ohne das gibt es uns gar nicht. Wir sprechen wirklich alle Menschen an, egal ob mit oder ohne Einschränkung, egal welche Herkunft oder sozialer Status. Wir haben explizit auch Rollstuhlfahrer dabei, wir arbeiten mit Förderschulen zusammen, und jeder kann auf seinem Level mitmachen. 

Und im Gegensatz zu klassischen Vereinen gibt es bei uns keine Mitgliedspflicht. Eine Mitgliedschaft ist freiwillig und hilft uns, Fixkosten zu decken. Aber mitmachen kann jeder, einfach so. Außerdem arbeiten wir von Anfang mit Konfliktprävention an. Wir haben einen Coach im Team, der sich darum kümmert, und stellen jede Stunde klare Regeln auf: respektvoller Umgang, Teamplay, Fairplay. Das sind unsere Basis-Werte. 

Warum gerade hier in Ückendorf? 

Ich komme selbst aus Ückendorf, ich wohne seit 30 Jahren hier. Das ist für mich ein Zurückgeben an die Hood, könnte man sagen. Und auch viele unserer Ehrenamtlichen und Teammitglieder kommen direkt aus dem Quartier. Das ist zwar eher zufällig so gekommen, aber zeigt, wie stark das Projekt in diesem Quartier verwurzelt ist. 

Gerade in diesem Quartier ist das wichtig, denn wir haben einen hohen Migrationsanteil und viele Kinder, deren Potenzial noch nicht genutzt wird. Wir wollen ihnen eine Möglichkeit bieten, etwas Beständiges zu lernen und sich zu bewegen.  

Unser Ziel ist es, hier als Leuchtturmprojekt zu starten und perspektivisch auch ins Ruhrgebiet auszurollen, damit andere Kommunen mit unserem Konzept arbeiten können. 

Was ist denn das Besondere an Basketball für Kids? 

Basketball ist der große Gleichmacher. Jeder kennt Fußball, kann Ronaldo-Tricks und hochhalten. Aber beim Basketball? Da fangen alle bei null an. Die Regeln sind neu, das Dribbeln ist neu – alle starten auf Augenhöhe. Das hilft uns total bei der Arbeit, weil niemand einen Vorsprung hat. Jeder ist gleich, jeder muss sich neu beweisen. 

Außerdem haben wir gemerkt, wie unfit viele Kinder sind. Die werden auch gar nicht mehr gelobt. Wenn die dann auf einmal einen Korb treffen, obwohl sie noch nie einen Ball in der Hand hatten, und wir ihnen sagen „Du machst das gut“ – das Lachen in den Gesichtern, das ist unbezahlbar. Besseren Lohn gibt es nicht. 

Wie sieht euer Training aus? Kann man einfach vorbeikommen? 

Genau, wir haben sogenannte Open Courts. Das heißt, jeder kann ohne Anmeldung und ohne Vorkenntnisse vorbeikommen. Aktuell sind wir mittwochs von 16 bis 18 Uhr hier in der Sportbude und donnerstags in der St.-Joseph-Kirche – bis Ende März zumindest, danach suchen wir eine Alternative im Quartier.  

Die perfekte Gruppengröße ist so 8 bis 15 Kids, aber wir hatten auch schon Tage mit 36 Kindern. Da sind wir flexibel und teilen die Gruppen auf. Wir machen keine zwei Stunden stumpfes Korbwerfen, sondern arbeiten mit verschiedenen Trainingsmethoden, zum Beispiel mit Reaktionslichtern. Wir bringen den Kids die Basics bei und arbeiten nachhaltig. 

Und ja, viele kommen tatsächlich jede Woche. Wir haben sogar ein, zwei Kids, die sich vom Fußball abgemeldet haben, um bei uns spielen zu können. Die finden Basketball einfach viel cooler. 

Wen sprecht ihr denn an? 

Generell Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene von 6 bis 27 Jahren – egal ob männlich, weiblich, mit oder ohne Einschränkungen. Wir hatten auch schon Aktionen mit Förderschulen, das war super. Jeder hat auf seinem Level mitgemacht, und das war einfach schön anzusehen. 

Aber unsere Zielgruppe sind nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern. Wir haben gemerkt, dass wir nicht nur den Kids was beibringen, sondern auch den Eltern. Manche Eltern haben uns gesagt: „Das sind Kinder von der Straße, vor denen würden wir sonst weitergehen.“ Aber hier im geschützten Raum sehen sie, dass alle respektvoll miteinander umgehen. Da findet ein Paradigmenwechsel statt. 

Was habt ihr seit der Gründung schon erreicht? 

Wir existieren offiziell seit dem 16. August 2025, also noch nicht mal ein halbes Jahr. Aber wir haben schon einiges auf die Beine gestellt: Wir haben den ersten Platz bei „Projekt Vielfalt“ von Big FM gewonnen und gestern die Ernst-Alexander-Auszeichnung von Schalke 04 bekommen. Das ist eine krasse Ehrung für uns nach so kurzer Zeit und ein Statement, dass unsere Arbeit funktioniert. 

Unser mobiler Court, den wir gerade in der S. Josef Kirche aufgebaut haben, wurde übrigens durch den Quartiersfonds über das Stadtteilbüro Bochumer Straße gefördert. Das war für uns echt eine gute Starthilfe! 

Wir haben mittlerweile mindestens zehn Ehrenamtliche im Team, mehrere davon sind auch Mitglieder geworden. Wir haben Basketballcoaches, Sportlehrer, Pädagogen dabei. Einer hat sogar bei Real Madrid in der Jugend mittrainiert. Die Anfragen werden immer mehr. 

Ihr habt auch einen Truck, oder? 

Genau, unseren HoopXpress! Das ist ein Vito, ein Kleintransporter, in dem unser ganzes Material drin ist – der mobile Korb, das Steckplattensystem, ein Soundsystem. Im Sommer wird der von den Gelsenkirchener Ultras noch urban gestaltet, mit Graffiti und unserem Schriftzug. Richtig streetstyle-mäßig, weil wir authentisch sind und das auch durchziehen wollen. 

Wir gehen davon aus, dass wir dieses Jahr schon einen zweiten Truck brauchen, weil wir parallel schon mehrere Termine haben. Aber umso besser – je höher die Nachfrage, desto mehr Kids erreichen wir. 

Was sind eure nächsten Pläne? 

Am 29. August 2026 starten wir unser erstes öffentliches Event in der Gelsenkirchener Innenstadt – ein großes 3×3-Turnier. Der Termin steht, die Punkte mit dem Ordnungsamt sind geklärt, jetzt sind wir in der Planung. 

Perspektivisch wollen wir auch einen richtigen Wettkampfverein in Ückendorf gründen, weil wir hier keinen Basketballverein haben. Außerdem wollen wir Büroräume und eine eigene Halle haben, wo wir dann auch Bewerbungscoachings anbieten können. Wir wollen die Kids wirklich rundum unterstützen, nicht nur im Sport. 

Wir arbeiten auch mit der Kinder- und Jugendteilhabe zusammen und sollen zukünftig als mobile Kinderschutzinsel fungieren. Das ist ein großer Kooperationspartner für uns. 

Wenn in 15 Jahren jemand auf mich zukommt und sagt: „Durch die Social Ballerz habe ich einen Job gefunden oder den Mut gehabt, das und das zu tun“ – dann ist das für mich schon Job done. 

Wie kann man bei euch mitmachen oder euch unterstützen? 

Kommt einfach vorbei! Mittwochs von 16 bis 18 Uhr und samstags von 15 bis 17 Uhr in der Sportbude oder donnerstags in der St.-Joseph-Kirche (bis Ende März). Ohne Anmeldung, ohne Vorkenntnisse. Einfach kommen und loslegen. 

Wir suchen aber auch immer Ehrenamtliche und Unterstützer:innen. Wir sind bei der Gelsenkirchener Ehrenamtsagentur angemeldet, und es kommen regelmäßig Anfragen. Je mehr Menschen mithelfen, desto mehr können wir für die Kids tun. 

Alle Infos findet ihr auf unserer Website oder auf Social Media. Wir posten vor jeder Aktion, was gerade läuft. Schaut einfach mal rein. Wir freuen uns auf euch! 

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