Estar Halfmann im Atelierhaus

Upcycling, Erinnerung und kreative Freiräume

Estar Halfmann verwandelt Spielzeugmüll in Skulpturen und stellt damit gesellschaftliche Fragen. Aktuell stellt sie dafür im Atelierhaus Gelsenkirchen an der Bochumer Straße aus. Wir stellen ihre Kunst, ihre Intention und ihre Vision als KÜnstlerin vor.

Februar 4, 2026

Künstlerin Estar Halfmann hält eine ihrer Skulpturen aus Spielzeugschrott in ihren Händen.

Im Atelierhaus in Gelsenkirchen-Ückendorf entstehen nicht nur Kunstwerke, sondern auch Geschichten. Eine davon erzählt Estar Halfmann – eine junge Künstlerin, die Spielzeugmüll in Skulpturen verwandelt und damit sowohl Kindheitserinnerungen als auch gesellschaftliche Fragen berührt. Seit 2017 arbeitet sie mit aussortierten Puppen, Baggern, Betonmischern oder Modellzügen. Materialien, die viele als Abfall ansehen, die sie aber als Schatz begreift. 

Was auf den ersten Blick verspielt aussieht, entfaltet auf den zweiten Blick Tiefe: Estar zeigt mit ihren Werken, wie viel Überfluss unsere Gesellschaft produziert. Ihre Kunst steht für Upcycling, für Wertschätzung, für das kreative Weiterdenken von Dingen. Dabei bleibt sie nahbar und pragmatisch, ob bei Workshops, im Austausch mit Besucher*innen oder bei der Suche nach neuen Fundstücken auf der Straße. Ihr Atelier ist nicht nur Arbeitsort, sondern auch Sammelstelle, Ideenschmiede und Experimentierfeld 

Fundstücke mit Geschichte: Wie Estar aus Alltagsobjekten Kunst macht 

Estars Skulpturen entstehen aus Materialien, die andere längst aufgegeben haben. Alte Puppen, ausrangierte Spielzeugfahrzeuge, Modellzüge oder Alltagsobjekte bilden die Grundlage ihrer Werke. Sie sammelt sie auf der Straße, findet sie beim Sperrmüll oder erhält sie von Bekannten. Nichts davon wird gekauft, jedes Stück hat bereits eine Geschichte, bevor es Teil ihrer Kunst wird. 

Diese konsequente Nutzung gebrauchter Materialien ist mehr als ein ästhetisches Konzept. Sie spiegelt Estars kritischen Blick auf Konsum und Wegwerfgesellschaft. Die Skulpturen werden zum Sinnbild eines Überflusses, der unsere Umgebung prägt. Indem sie aus Dingen Neues entstehen lässt, macht sie sichtbar, was sonst im Verborgenen bleibt: dass das Material bestehen bleibt, auch wenn sein ursprünglicher Nutzen vorbei ist. 

Im kreativen Prozess beginnt Estar meist mit einem zentralen Objekt, oft ein Fahrzeug wie ein Betonmischer oder Müllwagen. Rund um diese Basis gruppiert sie Fundstücke, die sie intuitiv auswählt. Viele stammen sogar aus ihrer eigenen Kindheit, was den Arbeiten eine persönliche Tiefe verleiht. Ihre Skulpturen wachsen mit der Zeit: Farben ändern sich, neue Teile kommen hinzu, Ideen entwickeln sich weiter. 

Ihre Kunst ist lebendig. Einige Werke dürfen berührt oder sogar bespielt werden. In Ausstellungen wurden sie schon durch Räume geschoben oder zum Leben erweckt. Für Estar ist das gewollt. Ihre Arbeiten sollen erlebt werden: als Erinnerung, als Kommentar und als Einladung, bekannte Dinge neu zu sehen. 

Atelierhaus als Anker: Wie der Ort ihre Arbeit beeinflusst 

Seit mehreren Jahren ist Estar im Atelierhaus an der Bochumer Straße aktiv. Hier hat sie nicht nur Raum zum Arbeiten gefunden, sondern auch ein Zuhause in der Gelsenkirchener Kunstszene. Der Umzug nach Ückendorf war für sie ein Wendepunkt. Anfangs noch skeptisch gegenüber der Stadt, hat sie im Quartier kreative Mitstreiter*innen, inspirierende Orte und eine lebendige Szene entdeckt. 

Das Atelierhaus selbst beschreibt sie als stilles, aber stabiles Netzwerk. Zwar kann der direkte Austausch mit anderen Künstler*innen eher gering ausfallen, doch bei gemeinsamen Veranstaltungen wie „Tür auf“ oder „Licht an“ entsteht für den Moment eine Zusammenarbeit. Für Estar ist das genau richtig: Sie schätzt ihre Ruhe beim Arbeiten und nutzt den Ort hauptsächlich als Rückzugsraum für ihre kreative Praxis. 

Die Entscheidung, sich in Ückendorf niederzulassen, fiel bewusst. Sie hatte von der aufblühenden Kunstszene gehört und wurde nicht enttäuscht. Heute ist sie Teil einer Entwicklung, die Kunst, Stadt und Gesellschaft enger zusammenbringt. 

Kunst zum Mitmachen: Workshops als kreative Begegnung 

Neben ihrer eigenen künstlerischen Arbeit engagiert sich Estar auch in der kulturellen Bildung. Vor kurzem leitete sie einen Workshop, bei dem Teilnehmende aus Spielzeug- und Plastikmüll eigene Skulpturen bauten. Die Reaktionen waren durchweg positiv: Viele entdeckten darin neue Perspektiven auf ihre alten Dinge und die eigene Kreativität. 

Besonders wichtig ist ihr dabei, dass die Materialien frei zur Verfügung stehen. Niemand muss etwas mitbringen, jede*r kann einfach loslegen. Wer dennoch eigene Objekte einbaut, macht die entstehende Skulptur noch persönlicher. So wird aus Weggeworfenem etwas Neues und gleichzeitig ein Gesprächsangebot. 

Die Workshops sind Teil einer Reihe, an der mehrere Künstler*innen aus dem Atelierhaus beteiligt sind. Unter dem Titel „Frühling, Sommer, Herbst und Winter“ findet in jeder Jahreszeit ein Workshop statt, jeweils mit einem anderen künstlerischen Fokus. Estars Beitrag: die Sommer-Edition mit Fokus auf Upcycling und Skulpturenbau. 

Wünsche für Ückendorf: Kunst sichtbarer machen 

Trotz der positiven Entwicklungen sieht Estar noch Potenzial. Besonders wünscht sie sich, dass die Kunst im Stadtteil stärker nach außen tritt.  

Daher plädiert sie für mehr Kunst im öffentlichen Raum als sichtbares Zeichen einer lebendigen Kulturszene. Installationen, Skulpturen oder offene Ateliertage könnten helfen, die Schwelle zwischen Atelier und Straße weiter zu senken. Kunst soll nicht versteckt, sondern erlebbar sein. 

Gerade in einem Stadtteil wie Ückendorf, der sich im Wandel befindet, kann Kunst Orientierung, Identität und Zusammenhalt stiften. Estar sieht darin eine Chance und möchte mit ihrer Arbeit aktiv dazu beitragen. 

Kreatives Weiterdenken mit Spielzeug – Kunst, die verbindet 

Estar Halfmann zeigt eindrucksvoll, wie viel aus vermeintlichem Müll entstehen kann. Ihre Kunst vereint Erinnerungen, Gesellschaftskritik und Spielfreude auf eine Weise, die zugleich nahbar und tiefgründig ist. Wer ihre Skulpturen betrachtet, sieht nicht nur Spielzeug, sondern Fragen, die jede:r mit sich trägt: Was bleibt von den Dingen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden? Und was können wir aus ihnen noch machen? 

In Workshops, Ausstellungen und im Alltag vermittelt Estar , dass Kunst kein elitäres Konzept sein muss. Sie macht Lust auf Mitmachen, auf Weiterdenken und auf neue Perspektiven. Gerade deshalb ist ihr Beitrag zur kulturellen Landschaft in Ückendorf so wertvoll. 

Wer mehr über ihre Arbeit erfahren möchte, sollte sich nicht scheuen, einen Blick durchs Atelierhaus zu werfen oder den nächsten Workshop zu besuchen. Denn wo Spielzeug wieder lebendig wird, ist Staunen garantiert. 

Ihr könnt Estars Kunst natürlich im Atelierhaus bestaunen – aber auch auf ihrem Instagram-Kanal: https://www.instagram.com/_estar_art_/ 

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