Godana Karawanke im Atelierhaus

Kunst als Dialog und demokratischer Prozess
“Kunst muss infrage stellen. Kunst muss Dinge beleuchten. Kunst hat nicht nur die Aufgabe schön zu sein.”

August 14, 2025

Godana Karawanke steht im Freien neben einem großformatigen, farbenfrohen Gemälde mit abstrakten und texturierten Elementen und lächelt in die Kamera.

Im Atelierhaus an der Bochumer Straße arbeitet Godana Karawanke mit Farben, Asche, Stoffen und Gold, aber auch mit Menschen. Ihre Kunst ist vielfältig, prozessorientiert und immer politisch. Seit ihrer Kindheit ist sie künstlerisch aktiv, ausgebildet an einer Glasfachschule mit klassischem Fundament in Malerei und Zeichnung. Heute verbindet sie traditionelles Handwerk mit gesellschaftlicher Reflexion – in Leinwänden, Performances, Workshops und öffentlichen Projekten.

Godana nutzt Kunst als Kommunikationsform, nicht nur zur Darstellung, sondern auch zur Auseinandersetzung. Ihre Werke entstehen in direktem Dialog mit ihrer Umwelt. Ob in Gelsenkirchen, in ihrer Werkstatt oder bei internationalen Aktionen: Ihre Kunst fragt, verbindet und fordert heraus. Das Atelierhaus bietet ihr dafür einen festen Ort als Ausgangspunkt für größere Projekte, aber auch als Raum für Konzentration und Rückzug.

Materialien mit Charakter

Godanas künstlerisches Schaffen ist geprägt von experimentellem Materialeinsatz. Statt Acrylfarbe nutzt sie Pigmente, Kohle, Asche, Blattgold oder handgeschöpfte Seidelbastpapiere aus Nepal. Auch alte Malerlappen oder Fundstücke finden ihren Weg in ihre Werke. Ziel ist nicht ein gefälliges Bild, sondern eine Oberfläche, die lebt, erzählt und sich der schnellen Lesbarkeit entzieht.

Dabei geht es ihr nicht nur um Wirkung, sondern um eine inhaltliche Tiefe: Die Materialien tragen Geschichten, kulturelle Bedeutung oder gesellschaftliche Spuren. Ihre Kunst entsteht aus der unmittelbaren Reaktion auf Weltgeschehen, gesellschaftliche Brüche oder persönliche Erfahrungen. Manche Werke beschäftigen sich mit Themen wie Fukushima, Flucht, Klimakrise oder struktureller Gewalt. Andere reflektieren Traditionen, Rituale oder kollektive Erinnerungen.

Der künstlerische Prozess als Begegnung

Godanas Arbeiten folgen keinem festen Plan. Ihre Malerei ist prozessorientiert, oft dialogisch. Skizzen oder Vorzeichnungen nutzt sie nicht mehr, stattdessen entsteht das Werk direkt auf der Leinwand. Dabei geht es ihr nicht nur um das Ergebnis, sondern um den Weg dorthin. Malerei ist für sie ein Denkraum, ein Mittel der Auseinandersetzung, auch mit sich selbst.

In vielen ihrer Arbeiten kombiniert sie Malerei mit Collage, Textur oder installativen Elementen. Einige der großformatigen Werke sind aus gemeinschaftlichen Prozessen hervorgegangen, etwa aus ihren sogenannten Public Paintings – kollektive Malaktionen im öffentlichen oder halböffentlichen Raum.

Public Painting: Kunst als kollektiver Ausdruck

Ein zentrales Format in Godanas Arbeit sind ihre Public Paintings. Dabei stellt sie große Leinwände sowie Material bereit, woraufhin Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebenskontexten gemeinsam ein Bild gestalten. Der Fokus liegt auf Austausch und Teilhabe, nicht auf künstlerischer Perfektion. Themen wie Zukunft, Kommunikation oder Zusammenleben bilden den inhaltlichen Rahmen.

Diese kollektiven Prozesse fanden u. a. auf Jugendfestivals, mit geflüchteten Menschen oder bei Kulturveranstaltungen statt. Entstanden sind Werke, die nicht nur visuell beeindrucken, sondern auch Geschichten vieler vereinen. Godana führt diese Arbeiten oft weiter, bearbeitet sie nach, bringt sie in neue Kontexte. Für sie ist Kunst ein Mittel, um gesellschaftliche Spannungen sichtbar zu machen, aber auch um Gemeinschaft zu erfahren.

Gelsenkirchen als Wirkungsfeld

Godana lebt seit vielen Jahren in Gelsenkirchen und hat die Stadt bewusst als Ort künstlerischen Wirkens gewählt. Die Offenheit der Menschen, die kreativen Nischen und die vielfältigen zivilgesellschaftlichen Netzwerke bieten ihr ein Umfeld, in dem sie arbeiten und wirken kann. Besonders Ückendorf beschreibt sie als „Spielwiese“ mit Potenzial, Raum und Energie für neue Ideen.

Zugleich sieht sie, was fehlt: Es brauche mehr Möglichkeiten, Kunst mit der Stadtgesellschaft zu teilen. Veranstaltungen, Workshops oder offene Räume könnten helfen, Schwellen abzubauen und Beteiligung zu ermöglichen. Die eigene Vermittlungsarbeit – etwa in einer Werkstatt für Geflüchtete oder in Schulen – ist für sie deshalb ein zentrales Anliegen. Sie versteht Kunst nicht als elitäres Produkt, sondern als etwas, das allen offenstehen sollte.

Zwischen Gesellschaftskritik und Hoffnung

Trotz oft ernster Themen sind Godanas Werke nicht düster. Sie streben nach Erkenntnis, Auflösung, Verbindung. Viele ihrer Arbeiten sind farbenreich, lebendig, manchmal sogar humorvoll. Die Auseinandersetzung mit kulturellen Unterschieden, Traditionen oder Migration sieht sie nicht als Problem, sondern als Chance für Austausch, Lernen und gemeinsames Gestalten.

Dabei fragt sie immer wieder: Wie kann ein demokratisches Miteinander gelingen? Wie bleiben wir offen füreinander, ohne uns in Polarisierung zu verlieren? Ihre Kunst sucht keine schnellen Antworten, sondern lädt ein, gemeinsam zu fragen, zu erinnern, weiterzudenken.

Kunst als Resonanzraum

Godana Karawanke steht für eine Kunst, die auf Gesellschaft reagiert, die Prozesse anstößt und Räume öffnet. Ihre Arbeiten berühren durch Tiefe, Materialität und Haltung, sie sind Spiegel und Angebot zugleich. Im Atelierhaus findet sie den nötigen Raum dafür. Ihre eigentliche Bühne aber ist die Gesellschaft: Dort, wo Begegnung entsteht, wo Menschen miteinander sprechen, streiten oder gestalten.

Wer ihre Werke sieht erkennt schnell: Diese Kunst will nicht nur gefallen. Sie will etwas bewegen. Und sie zeigt, wie viel Kraft darin liegt, Dinge gemeinsam in die Hand zu nehmen.

Auf Godana Karawankes Homepage oder ihren Kanälen auf Instagram und Facebook könnt ihr mehr über ihre Kunst erfahren.

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