Jen Weissenbacher im Atelierhaus
Jen Weissenbacher malt Gorillas, die dir direkt in die Augen schauen. Sie erschafft Reliefs aus Polymerton und kontrastiert graue Stadtlandschaften mit kosmischen Weiten. Ihre Kunst ist bunt, vielfältig und stellt Fragen, die uns alle betreffen: Wie stehen wir zur Natur? Sind wir wirklich höher gestellt als andere Lebewesen?
Im Atelierhaus an der Bochumer Straße hat die Künstlerin ihren Arbeitsort gefunden, mitten in einer lebendigen Kunstszene, die sie aktiv mitgestaltet.
März 3, 2026
Hi Jen, deine Kunst sticht vor allem durch eines heraus: Farben. Gab es einen Moment, an dem du gemerkt hast, dass das dein Stil ist?
Es ist organisch gewachsen. Ich habe begonnen zu malen, und ganz selbstverständlich kam das gesamte Farbspektrum hinzu. Ich folge dem, was aus mir entsteht. Und das verändert sich – genauso wie ich mich verändere. So wie ich vor vier, fünf Jahren gemalt habe, male ich heute nicht mehr. Es hängt immer davon ab, welches Thema ich ausdrücken möchte.
Am Anfang stehen Studien und Technik. Mit der Zeit habe ich dann eine Stimme gefunden und reflektiert, was ich überhaupt mit meiner Kunst sagen will. Die Farbe ist dann ein Mittel, um das zu transportieren.
Natur, Mensch, Tiere – diese Symbole und Themen ziehen sich durch deine Arbeit. Gibt es eine zentrale Frage, um die alles kreist?
Ja. Es geht um die Stellung des Menschen im Verhältnis zur Natur, zum Kosmos, im ganzen Gefüge. Früher habe ich mich damit viel im Rahmen von Literatur beschäftigt, ich habe auch Philosophie studiert – Erkenntnistheorie, Ethik. Das hat mich immer umgetrieben.
Heute übertrage ich das in die Kunst. Nicht analytisch mit Texten, sondern viel direkter, auf einem emotionalen Level. Bedeutung ist mir wichtig. Aber sie entsteht im Dialog, man kann sie niemandem aufzwingen.
Du arbeitest gerade an einer neuen Serie – „urbane Zwischenräume“. Was steckt dahinter?
Ich kontrastiere funktionalen Alltag, industrielle Landschaften, urbane Tristesse mit etwas Größerem: Himmel, Mond, Kosmos. Diese Gegensätze interessieren mich.
Es ist schon anders als die Tierporträts, wo ein Individuum im Fokus steht. Hier geht es mehr um Landschaften und Räume.
Deine Arbeiten sind stilistisch sehr unterschiedlich – von Tierporträts über Landschaften bis zu fast schon popkulturellen Referenzen. Wie passt das zusammen?
Ich möchte mich nicht festlegen. Unterschiedliche Themen verlangen unterschiedliche Ausdrucksformen. Diese Offenheit ist Teil meiner künstlerischen Haltung.
Du machst auch Reliefs – ein Zwischending zwischen Malerei und Skulptur. Wie kam das?
Das erste Relief ist durch eine Gemeinschaftsausstellung vom Bund Gelsenkirchener Künstler e.V. mit dem Thema „Paperback“ entstanden. Ich habe ein Gorilla-Relief aus Pappe experimentell entwickelt. Es war ein bisschen wie ein Puzzle zusammenzusetzen, für das es keine Vorlage gab.
Danach wollte ich das Thema Relief vertiefen und habe mit Polymerton gearbeitet und meinen Gorilla “The Watcher” und ein Wildkaninchen “White Rabbit” gestaltet. Form und Farbe stehen dabei gleichwertig nebeneinander. Die Reliefs haben dann schon mal zwei Monate gedauert. An meiner aktuellen Wildkatze arbeite ich sogar noch länger.
Gorillas tauchen bei dir öfter auf. Hast du eine besondere Verbindung zu ihnen?
Primaten spiegeln uns besonders deutlich. In meinen Tierporträts möchte ich sie als Gegenüber zeigen – als Subjekte, nicht als Objekte.
Die Frage ist: Begegnen wir ihnen auf Augenhöhe? Erkennen wir sie als fühlende Wesen an?
Naturschutz und Wildlife-Schutz sind mir deshalb ein großes Anliegen.
Du bist im Bund Gelsenkirchener Künstler aktiv und jetzt auch im Atelierhaus. Wie wichtig ist dir die Kunstszene hier im Ruhrgebiet?
Das ist meine Hood, ich komme von hier. Ich habe zwar fünf Jahre in Hamburg gelebt und gearbeitet, bin aber wieder zurückgekommen. Und ich muss sagen: Ich liebe es hier sehr. Gerade die Community im Kunstbereich, vor allem hier in Ückendorf, ist unterstützend, kreativ und aufgeschlossen.
Der BGK entwickelt sich gerade zunehmend partizipativ. Er will Kunst zugänglicher machen. Nicht elitär, sondern verbindend. So, dass viele Menschen teilhaben können.
Was schätzt du besonders an Gelsenkirchen und der Bochumer Straße?
Die Lebendigkeit. Heilig-Kreuz-Kirche, 1NULL7, Café Ütelier, Readymade, Galerie Beni Veltum und natürlich das Atelierhaus BO 132 – das sind wunderbare Orte.
Ich hoffe, dass noch mehr kommt, weil es zum Teil ja auch noch viel Leerstand gibt. Es hat viel Potenzial.
Was steht als Nächstes an?
Zunächst werde ich meine Wildkatze abschließen, danach arbeite ich weiter an der Serie „Urbane Zwischenräume“.
Außerdem entstehen neue Ausstellungsprojekte – Details folgen.
Wie kann man deine Kunst sehen?
Am besten direkt im Atelierhaus BO 132 vorbeikommen. Besuche sind nach Terminvereinbarung möglich. Außerdem bin ich regelmäßig in Ausstellungen vertreten.
Zum Stil: Du bezeichnest deine Kunst als „Magischer Pop-Realismus“. Wie kam’s dazu?
Der Begriff „Magischer Realismus“ wurde erstmals von dem Kunsthistoriker Dr. Bernd Gülker in Bezug auf meine Arbeit verwendet. Das „Pop“ ergänzt meine intensive Farbigkeit.
Es beschreibt die Verbindung zwischen dem Realen und dem, was darüber hinausweist.
Kunst, die Fragen stellt
Jen Weissenbacher zeigt mit ihrer Arbeit, dass Kunst nicht nur schön sein kann, sondern auch wichtige Fragen aufwirft. Ihre Tierporträts holen Lebewesen auf Augenhöhe, ihre urbanen Landschaften erinnern daran, dass wir Teil von etwas Größerem sind. Dabei bleibt sie zugänglich, experimentierfreudig und fest verwurzelt in der Kunstszene des Ruhrgebiets.
Wer ihre Arbeiten sehen möchte, sollte einen Termin mit ihr vereinbaren (mail@jenweissenbacher.art) oder beim nächsten offenen Ateliertag vorbeischauen. Viele der Werke sind verfügbar.
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