Tausche Bildung für Wohnen: Update 2026 

Lernförderung, Freizeitprojekte und ein Team, das im Quartier angekommen ist

Das Projekt Tausche Bildung für Wohnen (TBfW) ist seit Jahren ein fester Teil des Quartiers rund um die Bochumer Straße. Was viele vielleicht nicht wissen: Hinter dem Projekt steckt viel mehr als Hausaufgabenbetreuung. Wir haben mit dem aktuellen Team gesprochen – über den Alltag, neue Gesichter, geplante Events und die Frage, was TBfW eigentlich wirklich macht. 

(Übrigens: Alles über die Entstehung und das Grundkonzept von TBfW findet ihr in unserem ersten Beitrag zum Projekt.) 

Juni 8, 2026

Hi, Sarah & Fine! Ihr seid beide relativ neu als Standortleitung dabei. Wie war euer Start? 

Sarah: Es war tatsächlich eine besondere Situation: Mein erster Arbeitstag war gleichzeitig der erste Tag der neuen Generation von Bildungspat*innen. Das heißt, wir haben uns alle gemeinsam eingefunden und das Quartier gemeinsam kennengelernt. Was den Einstieg ins Netzwerk angeht – das lief eigentlich erstaunlich reibungslos. Leute haben uns direkt angesprochen: „Ihr seid neu bei Tausche Bildung für Wohnen? Cool, wir haben schon mit euch zusammengearbeitet!“ Dann kam direkt die Einladung zum nächsten Netzwerktreffen. So einfach kann das gehen. 

Trotzdem hat so ein Wechsel in der Standortleitung natürlich seinen Preis: Ein paar Infos gehen dabei immer verloren. Wir mussten uns vieles erst wieder zusammenpuzzeln: Welche Schulen sind in der Nähe, wen sprechen wir dort an, mit wem haben wir überhaupt schon Kontakt gehabt. Ein Gespräch mit Marie, die den Standort mitgegründet hat, hat uns dabei sehr geholfen. So eine Art geordnete Übergabe in Form einer Tabelle mit allen relevanten Kontakten. Das war Gold wert. 

Wie viele Kinder sind gerade bei euch, und wie läuft der Alltag konkret ab? 

Fine: In der jetzigen Generation, also seit August 2025 konnten wir circa 60 Kinder durch unsere Lernförderung erreichen. Pro Lerneinheit sind wir im Schnitt mit dem Betreuungsschlüssel eins zu vier unterwegs, also eine Bildungspatin für vier Kinder. Die erste Lernzeit startet um 14 Uhr, die zweite um 16 Uhr, wobei die spätere Gruppe deutlich begehrter ist, weil viele Kinder vorher noch lange in der Schule oder der OGS sind. 

Jede Bildungspat*in hat dabei ihren eigenen Raum und die haben auch eigene Namen. Es gibt die Drachenhöhle, das Zwergatelier, den Melodienwald und das Einhornparadies, das gerade zum Toberaum umgestaltet wurde. Das ist uns auch wichtig: Wenn eine neue Generation kommt, kann jede Person ihre eigenen Ideen einbringen. Es gibt kein starres Schema, das von Jahr zu Jahr einfach weitergegeben wird. 

TBfW wird manchmal mit Nachhilfe gleichgesetzt. Wie seht ihr das? 

Fine: Das ist vielleicht das Missverständnis, das uns am meisten begegnet. Eltern melden sich manchmal mit dem Wunsch: „Kann mein Kind hier Nachhilfe bekommen? Eine Note besser wäre toll.“ Das können wir so nicht versprechen und das ist auch nicht unser Ansatz. 

Wenn die Kinder ankommen, sind viele davon seit morgens acht Uhr in der Schule. Die brauchen erstmal Raum zum Ankommen. Es darf gelesen, gespielt, gequatscht werden. Dann kommt die Lernzeit. Und Lernen heißt bei uns nicht nur Hausaufgaben abhaken. Wir zahlen auf ganz unterschiedliche Kompetenzen ein: soziale, motorische, sprachliche. Es ist nicht tragisch, wenn die Matheaufgaben am Ende nicht komplett fertig sind. 

Am Ende des Tages ist auch einfach Spielzeit. Die Kinder dürfen frei entscheiden. Wir nennen das manchmal den „dritten Ort“-Gedanken: Ihr dürft hier auch einfach sein. 

Und freitags läuft dann noch mal was anderes? 

Sarah: Genau, freitags gibt es AGs und die sind richtig beliebt. Aktuell gibt es eine Kreativ-AG, eine Koch-AG, Musik, Foto und Theater. Welche AGs es gibt, hängt auch immer davon ab, welche Interessen die aktuelle Generation von Bildungspat*innen mitbringt. Das ist so eine der schönen Sachen an TBfW: Es gibt keinen festgeschriebenen Rahmen, der jede Spielzeit gleich aussehen lässt. 

Dazu kommen Freizeitprojekte – zuletzt war die Gruppe im Kletterpark und in der Eishalle. Wenn sowas ansteht, ist der Andrang groß. Da kann es schon mal sein, dass wir auf Kapazitäten achten müssen. 

Was macht TBfW aus eurer Sicht besonders? Was sollen ruhig mehr Leute wissen? 

Sarah: Dass es kein Oben-unten-Verhältnis gibt. Weder zwischen uns und den Kindern, noch zwischen uns und den Bildungspat*innen. Es ist ein echtes Geben und Nehmen. Ich lerne von den BFDlerinnen, die BFDlerinnen lernen von mir, und von den Kindern lernen wir alle. Das wird von außen manchmal nicht so gesehen. Da heißt es schnell „du bist die Chefin, die anderen sind die Lehrer*innen.“ Aber das trifft es einfach nicht. 

Wir versuchen wirklich zu schauen: Was braucht dieses Kind gerade? Nicht, was braucht die Schule von diesem Kind. Das ist ein Unterschied, der im Alltag sehr viel ausmacht. 

Wie gut seid ihr schon im Quartier vernetzt? 

Fine: Es tut sich einiges. Wir waren mit den Kindern beim Energy Lab im Wissenschaftspark, sind in Kontakt mit dem Ücky, dem Bauspielplatz, verschiedenen Schulen im Umkreis. Beim Quartierspicknick wollen wir mit den Kindern vorbeischauen, wenn das Wetter mitspielt. 

Und dann ist da noch der Tag der offenen Tür, den wir gerade planen. Für uns als Team ist das eine Art erstes großes Highlight, weil wir sowas alle noch nie organisiert haben. Wir erhoffen uns davon mehr Sichtbarkeit im Quartier, mehr Kontakt zu Eltern und vielleicht auch den ein oder anderen schönen Moment, wo zum Beispiel eine Mutter mit einer verantwortlichen Person aus anderen Projekten ins Gespräch kommt und einfach Verbindungen entstehen, die wir gar nicht geplant haben. 

Und wie kommen die Bildungspat*innen selbst im Quartier an? 

Sarah: Sehr unterschiedlich! Manche kommen aus der Umgebung, eine sogar aus dem Ausland. Aber das Interessante ist: Viele, die vorher gar keinen Bezug zu Ückendorf hatten, kommen und bleiben. Es gibt ehemalige Bildungspat*innen, die heute noch hier wohnen und Teil der Nachbarschaft sind. Das sagt dann eigentlich schon ziemlich viel über den Stadtteil. 

Wie können Kinder mitmachen und was kostet das? 

Fine: Gar nichts. Das Angebot ist kostenlos und steht allen Kindern aus der Umgebung offen. Zur Anmeldung reicht ein Anruf oder eine Nachricht, dann vereinbaren wir einen Termin mit einem Elternteil. Wer erst mal reinschnuppern möchte, kann das auch tun. Wir schicken morgens eine WhatsApp raus mit der Einladung für den Tag und wenn es mal nicht klappt, ist das kein Problem. 

Lernförderung findet zweimal die Woche statt, freitags kommen die AGs und Freizeitprojekte dazu. Und wer Bock hat, der kommt einfach vorbei. 

Für alle Infos zu Tausche Bildung für Wohnen schaut doch einfach vor Ort vorbei oder verfolgt die Website und Social Media Kanäle des Projekts! 

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